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Lust auf Farbe. Die neue bunte Antike

Description
Das heutige Erscheinungsbild antiker Plastik wird durch monochrome Marmoroberflächen und die dunkle Patina korrodierter Bronze geprägt. Antike Schriftquellen und archäologische Funde haben jedoch niemals Zweifel daran gelassen, dass griechische und römische Skulpturen ursprünglich ein farbiges Erscheinungsbild besaßen, auch wenn sich Spuren davon nur selten erhalten haben. Anhand von Farbrekonstruktionen antiker Marmor- und Bronzeskulpturen des späten 19. Jahrhunderts und vor allem der Gegenwart geht die am 5. Juli 2012 eröffnete Ausstellung der Frage nach, wie die Oberfläche antiker Skulpturen und deren ursprünglich farbiges Aussehen wahrgenommen, bewertet und rekonstruiert wurde.

Neufunde ließen im Verlauf des 19. Jahrhunderts die Farbigkeit antiker Marmorwerke immer deutlicher zutage treten. Um von den wenigen Resten zu einer anschaulichen Vorstellung zu gelangen, wurden an Gipsabgüssen Versuche zur Wiedergewinnung der einstigen Bemalung vorgenommen. Rekonstruktionen wie die von Georg Treu (1843–1921) in Dresden waren aber eher künstlerische als archäologische Experimente. Sie dienten nicht nur der besseren Veranschaulichung antiker Polychromie, sondern waren auch Vorbild für die Rückkehr von Farbe in die zeitgenössische Bildhauerei. Seit etwa drei Jahrzehnten werden in Verbindung mit technisch orientierten und naturwissenschaftlichen Disziplinen große Anstrengungen unternommen, eine Vorstellung von der farbigen, eigentlich bunten Ausdruckskraft antiker Kunst wiederzugewinnen. Im Vergleich mit den historischen Rekonstruktionen geben die aktuellen Nachbildungen einen prägnanten Einblick in die jüngsten Ergebnisse dieser praxisorientierten Forschungsleistungen.

Nur wenige Originale lassen erahnen, dass in der Antike auch Großplastiken aus Bronze durch den Einsatz von Halbedelsteinen, Kupferblech, Silber und Vergoldung farbige Effekte besaßen. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen der aufwändige Bronzenachguss einer berühmten griechischen Skulptur, der wie ein professioneller Athlet mit einer Gans ringende Knabe, und die Bronzekopie eines Knabenkopfes mit Siegerbinde. Das experimentelle Ergebnis der Ganswürger-Rekonstruktion zeigt, wie durch die Wahl verschiedener Legierungen Farbtönungen erzielt werden konnten. Die Rekonstruktion eines Münchner Knabenkopfes führt den Versuch vor Augen, den optischen Effekt einer vollendeten Oberfläche aus Metall zu erreichen. Auf Hochglanz poliert vermittelt der Kopf einen Eindruck, wie solche Bronzewerke im Tageslicht zu glänzen vermochten.





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