Neuschwanstein
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Staatliche Münzsammlung München

Britannien, Stater, Gold, Stilisiertes Kreuz / Pferd, geprägt 1. Hälfte des 1. Jh. n. Chr., Rückseite (Foto Kästner)
Britannien, Stater, Gold, Stilisiertes Kreuz / Pferd, geprägt 1. Hälfte des 1. Jh. n. Chr., Rückseite (Foto Kästner)

(08.11.2010 , Germany, München )
Neue Sonderausstellung: Keltengeld. Münzen der Kelten vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer

Keltengeld. Münzen der Kelten vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer

Obelix

Jeder kennt das kleine gallische Dorf in der Landschaft Aremorica (heute Bretagne/Normandie), aus dem die Helden Asterix, Obelix, Hündchen Idefix, Häuptling Majestix und der Druide Miraculix stammen. Jeder Lateinschüler kann den Eingangssatz zu Caesars „Der Gallische Krieg“ (de bello Gallico) im Original zitieren: Gallia est omnis divisa in partes tres,… „Ganz Gallien ist in drei Teile geteilt, von denen den einen die Belger bewohnen, den anderen die Aquitaner, den dritten diejenigen, die in ihrer eigenen Sprache Kelten (Celtae), in unserer Gallier (Galli) heißen.“ Wie das Geld aussah, mit dem Asterix und Obelix zum Einkaufen gingen, darüber lassen sich nur Vermutungen anstellen, aber die Münzen ihrer keltischen Stammesgenossen kennen wir gut. Die Staatliche Münzsammlung München zeigt ab 9. November 2010 in ihrer Ausstellung KELTENGELD herausragend schöne und besonders seltene Münzen der keltischen Stämme von Britannien, Spanien, Gallien, Italien und Deutschland über Böhmen, Österreich, Slowenien, Albanien und Siebenbürgen bis zur rumänischen Donaumündung.

Isar, ein keltisches Wort

Die Kelten sind das älteste namentlich bekannte Volk nördlich der Alpen. Ihr Name bedeutet vielleicht soviel wie „die Kühnen“. Archäologisch sind sie seit der frühen Eisenzeit ab etwa 750 v. Chr. vor allem durch Grabfunde bezeugt. Noch heute ist die keltische Sprache auch in unserem Raum lebendig, denn manche Orts- und zahlreiche Flussnamen wie Rhein, Lahn, Neckar, Donau, Lech und Isar kommen aus dem Keltischen. Allerdings stammt unser Wissen über die immer wieder zu Unrecht als ‚rätselhaft‘ bezeichneten Kelten, deren Geschichte, Gesellschaft und Religion vor allem von griechisch oder lateinisch schreibenden antiken Autoren. Da die Kelten selbst außer einigen wenigen Inschriften und Königsnamen auf Münzen nichts Schriftliches hinterlassen haben, ist die Überlieferung in vielem einseitig. Griechen und Römern galten die Kelten als Barbaren, nicht zuletzt, weil sie Menschen zu opfern pflegten, was sowohl aus literarischen als auch archäologischen Quellen hervorgeht. Die Menschenopfer hatten religiöse Gründe (Abwehr von Seuchen und Stärkung der Krieger) und wurden von den Druiden durchgeführt.

Keltische Münzkunst

Wenn Caesar schreibt (bell. Gall. 7, 22), dass die Kelten höchst geschickt darin waren, Anregungen und Erfindungen von außen aufzugreifen, so gilt dies auch für ihr Münzgeld. Das Prägen von Münzen übernahmen die Kelten von Griechen und Römern und ahmten deren Münzen teilweise nach. Doch erschöpft sich die keltische Münzkunst keineswegs in der bloßen Imitation. Durch phantasievolles Um- und Nachschneiden älterer abgenützter Münzstempel, weiteres Kopieren ‚kopierter‘ Stempel und eigene, reiche Erfindungsgabe entstanden immer neue, phantastischere Münzbilder. Innovative keltische Münzkünstler gab es auch im süddeutschen Raum, wo zwischen ca. 150 und 100/50 v. Chr. die berühmten Regenbogenschüsselchen mit Drachentieren, Vogel- und Hirschköpfen geprägt wurden. Die Münzkunst der Kelten zeichnet sich durch einen zum Ornamentalen neigenden, heutzutage modern anmutenden Primitivismus aus. Angesichts von stilisierten Menschenbildern wie auf dem abgebildeten böhmischen Goldstück denkt man unwillkürlich an Gegenwartskünstler wie J. Dubuffet oder A. R. Penck.

Das zur Ausstellung erschienene Begleitbuch von Bernward Ziegaus kostet an der Museumskasse 80 Euro und kann auch im Versand über die Staatliche Münzsammlung München bzw. den Buchhandel für 108 Euro bezogen werden.





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