Galerie Utermann
Dortmund, Germany
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EMIL SCHUMACHER Werke aus dem Nachlass des Künstlers

„Meine Liebe gehört dem Papier, so wie es sich anbietet in all seinen Formen: vom kostbaren Bütten bis zum ärmlichen Packpapier, (...). Ich behandle es respektlos, zerknittere es, zerreiß es, um es dann wieder zusammenzufügen. Es entstehen Verletzungen, Narben – das ist gut so, es gehört dazu. (...) Das Besondere der Gouachen ist ihre leichte Form, ihre unmittelbare Hinschrift. Sie haben nur bedingt Beziehung zu den meist gewichtigen Ölbildern auf Leinwand oder Holzplatte. Die Gouachen lassen sich nicht domestizieren als Hilfe zu den Bildern.“ EMIL SCHUMACHER, 1992

Werke aus dem Nachlass Emil Schumachers zeigt die Galerie Utermann in der Zeit vom 22. November 2005 bis zum 22. Januar 2006. Es handelt sich um Arbeiten aus den späten achtziger bis neunziger Jahren – Werke, die der Künstler selbst gern als „Gouachen“ bezeichnete.

Es sind jedoch keine Gouachen im herkömmlichen Sinn, die neben den großen Gemälden entstanden sind; es sind Arbeiten auf Papier, die Mischtechniken aufweisen und zusätzlich Kreide, Tusche, Sepia, Lack oder Acrylfarben verwenden. Die Gouachen Schumachers sind eigenständige Werke, kleine Bilder, die aus besonderen Gelegenheiten heraus entstehen – Reisen, Ferienaufenthalten etwa und immer auch etwas von der Heiterkeit und Gelöstheit einer solchen Situation transportieren.

In den ausgestellten Werken kommen vielfach figürliche Elemente zum Tragen. Es gibt Pferde und andere Vierbeiner. Die sichtbare Welt, insbesondere die Natur, war Schumacher immer Quelle der Inspiration. Im Kontext der Tierdarstellungen Schumachers wurde vielfach auf Höhlenmalereien verwiesen; seine Gouachen sind jedoch aus einem modernem Zeitverständnis heraus entstanden – ihre Verbindung zur prähistorischen Malerei ist eher zufällig und keineswegs beabsichtigt: Schumacher selbst hat die berühmten Höhlenmalereien von Altamira oder Lascaux nach eigenem Bekunden nie gesehen. Wahrscheinlich ist es die dominante Umrisslinie, die seine Werke in die Nähe solcher Kunstformen rückt: „Schon die Höhlenmaler haben sich durch Linien ausgedrückt, Kinder äußern sich durch Linien. All dies zeigt, dass die Linie ein ganz wesentlicher Bestandteil menschlicher Äußerungen ist.“ (Güse, E.-G., Emil Schumacher. Die Gouachen der 80er Jahre. München/Prestel, 1992, S. 25). Schumachers Vorliebe für das Archaische ist also eher als ästhetische Wertung zu verstehen.

Parallel zur Schumacher-Ausstellung wird die Kölner Galerie AUSSEREURO-PÄISCHE KUNST DIERKING mit Artefakten aus Afrika und Ozeanien bei Utermann zu Gast sein. Zu den herausragenden Stücken gehören eine hölzerne Maske aus dem Kongo sowie eine ebenfalls hölzerne Ahnentafel aus Papua

Neuguinea. Während erstere sich üblicherweise im Besitz des Königs befindet und nur zum Tanz getragen wird, gehört die Ahnentafel erwachsenen, initiierten Männern und wird in der Regel im so genannten „Männerhaus“ aufbewahrt. Sie stammt von den Elema/Namau, einer künstlerisch sehr aktiven Gruppe im Süden der Insel. Es handelt sich hierbei um ein frühes Exemplar, das bereits 1895 im Handel war. Auch die Provenienz ist sehenswert: Das „hohao“ befand sich im Bestand des Pitt-Rivers-Museums (Dorset/GB), bevor es in eine europäische Privatsammlung gelangte.

Die Idee zur gemeinsamen Ausstellung wurde nicht vom museumspädagogischen Interesse geleitet, Ähnlichkeiten oder Verweise zwischen den unterschiedlichen Werken aufzudecken, sondern von dem Wunsch, eine möglichst stimmige Raumsituation zu schaffen. Anders als bei gängigen Konzepten, beispielsweise Bezüge zwischen expressionistischen Werken und Artefakten aus der Südsee herzustellen, geht es hier um die reine Ästhetik: Einzig die schöne Ausstellung zählt.

Die Galerie AUSSEREUROPÄISCHE KUNST DIERKING besteht seit drei Jahren und widmet sich vornehmlich dem Handel mit Artefakten aus Afrika, Amerika und Ozeanien. Dierk Dierking machte auf der letztjährigen ART COLOGNE mit einem ungewöhnlichen Projekt auf sich aufmerksam: Er kuratierte eine Gegenüberstellung der neusachlichen Fotografien Karl Blossfelds mit traditioneller Kunst aus Afrika und Ozeanien aus den Beständen des Rautenstrauch-Joest Museums; es handelte sich hierbei um die Rekonstruktion einer Ausstellung, die bereits 1926 in der Berliner Galerie Nierendorf für Aufsehen sorgte. Die Schau war so erfolgreich, dass das Kölner Rautenstrauch-Joest Museum für Völkerkunde die „Urformen der Kunst aus Pflanzenreich und fremden Welten“ kürzlich übernahm und noch bis zum 26. März 2006 zeigen wird.

Pressetermin:
Freitag, 18. November, 11 Uhr; Herr Dierking wird anwesend sein.

Eröffnung: 20. November 2005, 11 bis 14 Uhr
Dauer der Ausstellung: 22. November 2005 bis 22. Januar 2006

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 14 Uhr.

Während der Dauer der Ausstellung wird Herr Dierking nach Terminabsprache gern zur Verfügung stehen.

Achtung, Galerieferien! In der Zeit vom 24. Dezember 2005 bis zum 7. Januar 2006 hat die Galerie geschlossen.






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