Neuschwanstein
Staatliche Münzsammlung München
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Satrap Pharnabazos, Mysien, Tetradrachme mit Porträt, um 410 v. Chr.
Satrap Pharnabazos, Mysien, Tetradrachme mit Porträt, um 410 v. Chr.

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Achaimenidenreich, Mysien im nordwestlichen Kleinasien, Satrap Pharnabazos, Tetradrachme, Silber, um 410 v. Chr.

Vorderseite: PhARNABA (griechisch); bärtiger Kopf des Pharnabazos mit niedriger persischer Tiara nach rechts.

Von den kleinasiatischen Satrapen (Statthaltern) des Perserreichs gibt es eine eigene Münzprägung, die ihre selbständige Stellung besonders deutlich ausdrückt. Die Münzen, Silber und Bronze, orientieren sich an den Währungen der griechischen Welt. Die Satrapen waren die ersten, die ihr persönliches Bildnis auf die Münzen setzen ließen. Die frühesten dieser Porträtmünzen, geprägt unter dem Oberbefehlshaber von Kleinasien Tissaphernes, lassen sich auf 412/411 v.Chr. datieren. Es war kein Zufall, dass die ersten Münzporträts gerade in dem Bereich auftauchten, in dem sich Griechisches und Persisches gegenseitig besonders intensiv beeinflußten. Die Stempelschneider dieser Münzen waren Griechen oder doch völlig griechisch beeinflußt. Die Satrapenmünzen sind der griechischen, nicht der persischen Kunst zuzurechnen.

Von der dahinter stehenden politischen Idee waren solche Porträtmünzen freilich nicht im klassischen Griechentum, sondern nur in einem persisch beeinflußten Bereich möglich. Der Grieche war als Polite, Bürger, Mitglied der Bürgergemeinschaft. Souverän war die Bürgerschaft in ihrer Gesamtheit, keine Einzelperson; das galt der Staatstheorie nach auch für Tyrannen, die zwar die tatsächliche Macht innehatten, aber neben, aber nicht außerhalb der Polis und ihrer Verfassung standen. Der der Bürgerschaft der Idee nach noch übergeordnete Souverän war die Stadtgottheit, also etwa Athena in Athen. Anders bei den Persern: hier war der einzige Souverän der Großkönig. Aber auch die Satrapen genossen in ihren Satrapien eine herausgehobene Stellung, die sich von der eines griechischen Polisbürger bei weitem unterschied. Auch als Beauftragter des Großkönigs trat er den Griechen als Alleinherrscher, nicht als Teil einer Gemeinschaft gegenüber.





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