Sie stehen in der Bibliothek. Dieser Raum bildet den Übergang von den repräsentativen zu den privaten Räumlichkeiten der Hoheiten.
Über den Eichenschränken sehen Sie Wandgemälde des Historien- und Hofmalers Wilhelm Peters. In den Schränken lagen einst Bücher und Dokumente der Familie.
Die Gemälde erzählen Sagen und historische Begebenheiten aus der Zeit der ersten beiden Zollernburgen, also aus dem 11. und 15. Jahrhundert.
Rechts vom Kamin sehen Sie die Belagerung und Zerstörung der ersten Burg im Jahr 1423. Auslöser waren räuberische Umtriebe des damaligen Burgherrn, Graf Friedrich des Zwölften, genannt der Öttinger. Das führte zu einem militärischen Zusammenschluss schwäbischer Reichsstädte. Unter Führung Henriettes, Gräfin von Mömpelgard und Herzogin von Württemberg, belagerten sie die Burg mehrere Monate. Auf dem Gemälde reitet sie auf einem Schimmel. Friedrich der Öttinger sprengt auf seinem Pferd durch die Reihen der Belagerer. Doch er konnte die Einnahme und die vollständige Zerstörung der Burg nicht verhindern.
Das Gemälde links neben dem Kamin zeigt seine Geliebte. Sie soll ihn und seine Männer während der Belagerung mit Essen und Arznei versorgt haben. Wegen ihres weißen Gewandes hielten die feindlichen Belagerer sie offenbar für die Weiße Frau, das Hausgespenst der Hohenzollern. Deshalb ließen die Soldaten sie passieren. Eine ziemlich praktische Verwechslung.
Ein zweites Gemälde rechts vom Kamin zeigt den Beginn des Wiederaufbaus nach der Zerstörung im 15. Jahrhundert. Dargestellt ist die Grundsteinlegung für die zweite Festung durch Graf Jost Niklas von Zollern. Auf dem Grundstein ist die Jahreszahl in gotischen Ziffern eingemeißelt. Die zweite Ziffer sieht wie eine halbe Acht aus, ist aber eine Vier. Auch Zahlen können also ihre Tücken haben.
Nach und nach verlegten die schwäbischen Hohenzollern, die seit 1623 den Fürstentitel führten, ihre Residenzen nach Hechingen, Haigerloch und ins 50 Kilometer entfernte Sigmaringen. So wurde die zweite Burg im 17. und 18. Jahrhundert immer mehr vernachlässigt. Schließlich verfiel sie zur Ruine.
Auf den Schränken stehen Marmorbüsten preußischer Könige, die mit der dritten Burg verbunden sind. Die mittlere Büste zeigt den jungen Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen. Als Mitglied des Hauses Hohenzollern besuchte er 1819 zusammen mit seinem Vater Friedrich Wilhelm dem Dritten, den Sie ganz links sehen, die Ruine der zweiten Burg. Danach beschloss er, die Burg ein weiteres Mal wieder aufbauen zu lassen.
1850 begannen die Bauarbeiten für diese dritte Burg. Inzwischen war er König Friedrich Wilhelm der Vierte von Preußen. Als Architekt wurde Friedrich August Stüler beauftragt. Für die Festungsanlage war der preußische Festungsbaumeister Moritz von Prittwitz zuständig. Beide sehen Sie auf den Medaillons unterhalb der Wandgemälde.
Diese dritte Burg war weniger als Wohnsitz gedacht. Sie sollte vor allem als Baudenkmal den Ursprung und den Aufstieg des Hauses Hohenzollern dokumentieren. Zugleich war sie als militärischer Stützpunkt geplant.
Folgen Sie nun dem Teppichläufer in die einstigen privaten Gemächer des Königspaares.